Atelierbesuch: November Lingerie

Posted by on Feb 2, 2012 in Backstage Dessous, Interview | No Comments

Die junge Berlinerin Imke Hille gehört mit ihrem Label November Lingerie zu den interessantesten, deutschen Newcomern der Wäschebranche. Schon nach ihrer dritten Kollektion feiner Seidenlingerie und Homewear ist ihr puristisch-nostalgischer Stil unverkennbar, sie ist mit ihren Kollektionen regelmäßig in der Fachpresse vertreten. Grund genug für Dessous Diary in Imkes Berliner Atelier vorbeizuschauen und einen Blick auf die neuste Kollektion zu werfen.

Auf dem Weg zum Atelier von Imke  wo die Kollektion von November Lingerie konzipiert wird, lasse ich mir noch mal durch den Kopf gehen, was ich über die Berlinerin bereits weiß: Sie ist Ende 20, Absolventin der ESMOD Modeschule Berlin und hat sich bereits bei ihrer Diplomarbeit  auf Lingerie konzentiert. Sie besuchte Kurse für Marketing-und Designkurse am renommierten am Central Saint Martins College of Art and Design in London und arbeitete dann beim erfolgreichen Berliner Wäschelabel Blush. Ihre Kreationen werden in außergewöhnlichen Boutique wie Linierie und Miau Miau in Berlin verkauft, ebenso bei Lieblingsstücke in Leipzig, August Pfüller in Frankfurt und B Sweet in Hamburg. Ein guter Start, für eine junge Frau, die gerade einmal 1,5 Jahren selbstständig in der Branche tätig ist.

Als ich im Atelier ankomme, öffnet mir eine schlanke, gut gelaunte Designerin die Tür und lässt mich in ihr kreatives Reich eintreten, um einen ersten Blick auf die neue Kollektion zu erhaschen. Das kleine Atelier ist voll mit Zeichenpapier, Skizzenblöcken und Stoffproben. Ein großer quadratischer Tisch ist Mittelpunkt des hellen, weißen Raumes und lässt viel Platz für Ideen. Hier entstehen also die minimalistischen Kreationen von November Lingerie, die bereits in der Elle, der Brigitte und dem Fräulein Magazin zu sehen waren. Imke  macht mich neugierig, und als wir an dem großen Tisch zusammensitzen plaudert sie direkt drauf los.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“Meine Lingerie ist ein Accessoire”

 

Imke, „November Lingerie“ ist ein kurioser Name für ein Lingerie-Label. Wie bist du darauf gekommen?

Ich mag den November. Die Zeit nach dem bunten Herbst im Übergang zu der glamourösen, leuchtenden Weihnachtszeit – das hat mich schon immer fasziniert.

Woran arbeitest du gerade?

 Ich bereite gerade die neue Kollektion für den Winter 2012 vor. Ich  habe tolle Farben ausgewählt –warme Erd-/Goldtöne, aber auch knalligere Farben. Und als Highlight einen Print, den ich aber nur dezent platzieren werde. Stoffe sind natürlich Seide, elastische Seide und Jersey – so wie immer. Es bleibt minimalistisch, dezent und zart.

Warme Farben wie Bronze, Sand und Gold liegen in den kommenden Saisons im Trend. Ist es dir wichtig, aktuelle Trendfarben und Stile in deine Kollektion zu integrieren?

Nein, das bedeutet mir nicht viel. Ich entscheide intuitiv, aus dem Bauch heraus. Ich sehe eine Farbe und denke ‚Das ist es‘, es trifft mich wie ein Blitz. Natürlich lese ich WGSN-Berichte über Farbtrends und schaue auch in die Forecast Stoffmagazine, aber das ist eher aus Interesse. Ich suche nicht nach Anregungen und Ideen. Ich finde Inspirationen überall um mich herum.

Dann gehst du in der deiner nächsten Kollektion nicht auf die aktuellen High-Waist-Formen und den Boudoir-Stil ein?

Das kann schon sein, dass ich ein Modell dabei habe, das in dieser 1950er Jahre-Schnittform daher kommt. Aber ich steuere nicht daraufhin. Wenn ich neue Schnitte andenke, dann schaue ich meist, was bei meinen Kunden gut verkauft wurde. Wenn es zum Beispiel – wie in der letzten Saison – weite, Figur umspielende Modelle waren, so sehe ich die Tendenz etwas voluminöser zu arbeiten. Ich möchte, dass sich meine Kundinnen in November-Wäsche wohlfühlen, und ihnen auch eine gewisse Beständigkeit mit meinem Stil bieten. Aber kleine, modische Raffinessen als Überraschung sind natürlich erlaubt.

Du hängst bei B Sweet in Hamburg und Linierie in Berlin – beides Boutiquen, die ganz unterschiedliche Konzepte haben. B Sweet  ist ein pompös aufgemachter Dessous-Concept Store; die Linierie eine Wäscheboutique im minimalistischen 1960er Jahre-Design. Nach welchen Kriterien suchst du dir deine Kunden aus?

Da ich meine Wäsche nicht als klassische Miederware oder Bedarfsartikel sehe, suche ich gezielt nach Shops, die ein ungewöhnliches Konzept haben und eine modeaffine Kundin ansprechen. Meine BHs haben keine Körbchengröße – sie reichen von S bis L; somit sind sie für Frauen mit weniger Kurven gedacht. Ich werde weniger traditionelle Wäschefachgeschäfte beliefern. Wie ich potentielle Kunden finde? Ich recherchiere im Internet. Meist suche ich nach Boutiquen mit luxuriöser, schnörkelloser Loungewear – das sind auch potentielle Kunden für November. Ich frage aber auch oft Freundinnen aus anderen Städten, ob sie mir tolle Boutiquen empfehlen können.

Kannst du dir deine Lingerie auch in Mode-Boutiquen vorstellen?

Aber ja. Mit dem Verkauf an Modegeschäfte mache ich sehr gute Erfahrungen. Sie haben meine Lingerie als Accessoires ausliegen und sind mit dem Abverkauf sehr zufrieden. Es ist eine nette Kleinigkeit, die man eben noch mitnimmt. Ich kenne das aus meiner Zeit in London. Dort gibt es viele Geschäfte, die auch niedliche Höschen und süße BHs verkaufen. Das finde ich toll. Besonders jetzt in der Weihnachtszeit ist doch eine Seiden-Panty um 35 Euro für eine gute Freundin ein tolles Geschenk, was im Vorbeigehen schnell gekauft ist.

 

FOTOCREDIT: Tamara Sarischwili

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