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Die muslimische Dessous-Designerin Cansu Gün aus Köln kombiniert bei ihrer sinnlichen Lingerie Inspirationen aus Orient und Okzident. Das Ergebnis: Viel nackte Haut, liebevoll mit Spitzenbändern bespielt. Im Interview verrät Cansu mehr über den Stil ihres Labels SinSensuality, ihre muslimischen Wurzeln und natürlich die neue Kollektion.Die muslimische Dessous-Designerin Cansu Gün aus Köln kombiniert bei ihrer sinnlichen Lingerie Inspirationen aus Orient und Okzident. Das Ergebnis: Viel nackte Haut, liebevoll mit Spitzenbändern bespielt. Im Interview verrät Cansu mehr über den Stil ihres Labels SinSensuality, ihre muslimischen Wurzeln und natürlich die neue Kollektion. Cansu Gün -Modedesignerin und Kostümbildnerin aus Köln – verbindet bei ihrem  Label  SinSensuality  den  Stil  von  Orient  und  Okzident. Die formschöne Kollektion der Kölnerin ist in zwei Bereiche eingeteilt: Zum einen erscheinen betörende, verführerische Bodies – die kaum noch Haut bedecken, aber stilvoll auf dem schmalen Grat zwischen Erotik und Eleganz wandeln. Die Modelle sind aus feinsten Spitzenbändern  gefertigt,  die  die  Silhouette  sanft  umfließen.  „so  fühlen sich  die  Frauen  angezogen  und  nicht  allzu  nackt“,  erklärt die Designerin. Der etwas klassischere Part der Kreationen von SinSensuality  ist  der  Neuinterpretation  von  alten  Klassikern  gewidmet: Negligees und Morgenmäntel, wie man sie von Hollywoods Filmdiven aus den 30er- und auch den 70er-Jahren her kennt, erscheinen in zeitgemäßer, liebreizender Optik aus Satin, weichem Jersey und edler Spitze

DIE DESIGNERIN IM INTERVIEW

Cansu, Du bist Muslimin. Viele Menschen in der westlichen Welt vergessen, dass Dessous auch für Frauen in deiner Kultur ein wichtiger Bestandteil sind. Wie würdest du den Umgang mit schöner Wäsche und Erotik in deinem Kulturkreis beschreiben?

Gerade bei uns muslimischen Frauen, und auch generell bei den Südländerinnen wie Italienerinnen oder Spanierinnen, sind schöne Dessous sehr gefragt! Der Umgang damit ist ganz normal. Der Islam wird in der Öffentlichkeit leider oft falsch verstanden. Glaube ist reine Intepretationssache und jeder lebt es so aus, wie er es für richtig hält. Im Koran wird der Frau vorgeschrieben, sich in der Öffentlichkeit nicht freizügig zu zeigen. Auch wird genannt, das die Frau von ihrem Mann sehr gut behandelt werden muss. Unterdrückungen von Frauen, und auch Kriege in gewissen Ländern werdenleider somit von dem jeweiligen Männerregime hervorgerufen. Ich finde das schrecklich und traurig. Dadurch gerät das Wort Islam in einen Zwiespalt, wobei es eine Religion ist, die  für Frieden steht. Hinter verschlossenen Türen ist bei uns Türkinnen auch alles erlaubt und sogar Pflicht. Eine Frau muss sich bei uns für ihren Mann stets schön und interessant machen. Das tut sie gerne.

Ich habe gehört, dass besonders die arabischen Frauen sehr viel Geld für Dessous bezahlen.

Vorallem betuchte und arabische Frauen legen grossen Wert auf verführerisch heisse Dessous, da sie sich eben wegen dem Glauben und der Überzeugung daran, in der Öffentlichkeit nicht so freizügig zeigen. Dessous verschaffen diesen Frauen zuhause die Gelegenheit, ein zusätzlich positives Selbstwertgefühl zu bekommen und zu erhalten. Ich empfinde es als Freude, das Leben von Paaren und die jeweilige Trägerin mit meinen Dessous bereichern zu können.

Was hat dich dazu bewegt, Wäsche zu desginen?

Dessous waren schon immer eine Leidenschaft von mir. Was bei den meisten als Schuh- oder Taschentick gilt, waren bei mir Dessous. Ich habe immer so unglaublich viel eingekauft, dass ich nicht mal mit dem Anziehen hinterher kam. Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich noch in der Filmbranche. Mein damaliger Freund schenkte mir ein Dessousbuch über die Entwicklung der Wäsche von früher bis heute. Das brachte den Ball ins Rollen. Dann begann ich, mich intensiv mit der Historie von Unterwäsche zu beschäftigen und habe mit Freude festgestellt, dass ich in dem Bereich ziemlich viele ausgefallene Ideen habe. Der Wunsch als Dessousdesignerin zu starten, hat sich bei meinem letzten Dreh ‚Hindenburg‘ für RTL verstärkt. Dort sah ich historische Wäsche von einem bekannten Wäschelabel. Nach Drehende widmete ich mich nur noch dem Thema Wäsche.

Musstest du auf Grund deines kulturellen Hintergrundes mit Vorurteilen kämpfen? Wie kommt dein Beruf mit deinem Glauben überein?

Nein, bisjetzt gab es keine Probleme. Warum auch? Ich gehe einem normalen Beruf nach, mache nichts für obendrüber, sondern eben für untendrunter. Ist ja nichts Verbotenes oder Unseriöses. Ich fordere die Frauen ja nicht auf, in Dessous auf die Strasse zu gehen. Auch habe ich eine eigene Auffassung von unserem Glauben, und lebe ihn so aus, wie ich ihn für mich als richtig empfinde. Das muss jeder für sich selber herausfinden und mit sich selber vereinbaren. Ich glaube an Gott, und versuche, mich auch an unsere fünf Pflichtgebote zu halten. Das ich in meinem Beruf alles richtig mache, zeigen mir die tagtäglichen positiven Feedbacks, die ich erhalte.

Deine Landsleute reagieren auch positiv und lassen dich das auch wissen?

Oh ja. Viele sagen mir, wie toll sie es finden, was ich tue. Sind seien stolz auf mich. Ich wurde nach einigen Presseveröffentlichungen sogar nach Autogrammkarten gefragt, mir wurden Blumensträuße und Karten geschickt. Viele junge Designer oder die, die es werden wollen, fragen mich um einen Ratschlag. All das hat mich überwältigt, gibt mir Rückendeckung und bestärkt mich, weiter zu machen.

Deine Dessous sind sehr sexy. Dafür braucht die Trägerin eine große Portion Selbstbewusstsein. Was hat dich dazu inspiriert, diese Art von Dessous zu designen?

SinSensuality steht in erster Linie für die mutige und selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will, die zu ihrer Weiblichkeit steht und sich gerne präsentiert. Sie mag das Wechselspiel aus Verführung und Dominanz. Auch Frauen, die mal dem Alltag entfliehen möchten und eine neue Seite an sich entdecken möchten, können SinSensuality-Lingerie tragen. Ich habe Kundinnen, die sich zunächst nicht an einen Body getraut hätten aber es dennoch getan haben und hinterher sehr positiv überrascht waren. Eine Kundin von mir hat sich nach der ersten Bestellung ihren zweiten Body schneidern lassen, weil sie dadurch ein ganz neues Selbstwertgefühl entwickelt bzw auch entdeckt hat. Ich empfehle zuerst auszuprobieren bevor man etwas von vornherein ausschließt! Vielleicht verpasst man dadurch etwas. Ich bin der Überzeugung, dass jede Frau ein wenig Verruchtheit und Hemmungslosigkeit in sich trägt! Und jede von uns hat Seiten an sich, die noch entdeckt und ausgelebt werden können.

 Zusätzlich zu den Dessous kreierst du auch Morgenmäntel und Negligees. Das ist eher klassisch. Warum diese zwei Bereiche?

Ich liebe ausgefallene und ungewöhnliche Sachen. Dies spiegelt sich in meinen Entwürfen wider. Um mich separat austoben zu können, habe ich zwei Bereiche: Zum einen sinnlich-provokante Dessous, zum anderen verführerisch-nostalgisch angehauchte Negligees und Morgenmäntel. Fasziniert bin ich von den frühen Epochen und wenn man sich zb gerade das osmanische Reich oder die Zeit des Barock/Rokoko betrachtet, trotzt das nur vor Opulenz und Farben. Ich mag nicht viel Kitsch, aber Detailverliebtheit spielt bei meinen Kreationen dennoch eine grosse Rolle. Das Gesamtbild muss stimmig sein. Viel Wert lege ich auch auf zeitlose Designs. Ich folge keinem Trend. Ich finde Bodies toll und wollte aus dem alltäglichen Body etwas Provokanteres, Erotisches schaffen. Beim ersten Anblick weiß man vor lauter Spitzenbänder und Schleifchen nicht, wohin man zuerst hinschauen soll. Und genau diesen überraschten ‚Wow‘- Effekt möchte ich herausfordern.

Und für den klassischen Bereich hast du dich an den Diven des alten Hollywoods orientiert?

Genau. Alte Filme, in denen die Diven in anmutigen Morgenmänteln flanieren, animieren mich. Diese Kreationen sollen mit schlichter Eleganz verzaubern. Es ist doch schade, dass nur wenige Frauen Morgenmäntel und Negligees Zuhause tragen. Es hebt die Weiblichkeit hervor und lässt eine Frau sogar ungeschminkt sehr glamourös und elegant erscheinen. Man muss dieses Gefühl auch zulassen. Mit meinen Entwürfen möchte ich die Frauen für Glamour und Eleganz in den eigenen vier Wänden begeistern.

Wer möchte, kann sich bei dir auch Dessous nach Maß anfertigen lassen. 

Im Moment liegt der Fokus auf dem Onlineshop. Die Maßarbeit hingegen hält sich noch im Rahmen mit der Aussicht, das wieder stärker anzubieten, wenn ich bald ein eigenes Atelier eröffne. Bevor ich meinen Onlineshop startete,habe ich ja mit Maßarbeit begonnen. Maßarbeit und Qualität hat seinen Preis und nicht jede ist bereit so viel Geld für einen BH auszugeben. Deshalb konnte ich auch nicht von der Maßarbeit alleine leben und ging nebenher noch arbeiten. Bis jetzt htte ich auch nur einige wenige Kunden (darunter zu meiner Freude und Herausforderung zwei Männer, die etwas für die Partnerin haben schneidern lassen).

Wie war der Ablauf, wenn du kein Atelier hattest?

Da ich kein Atelier habe um Kunden zu empfangen, war das ganze leider ein wenig schwierig zu organisieren. Der Ablauf war so, das ich zu der jeweiligen Kundin gefahren bin. Dort wird das gewünschte Modell inklusive der Farben und Stoffe besprochen, aufgezeichnet und anschliessend Maß genommen. Je nach Aufwand kann ein BH bis zu zwei Monate oder länger dauern. Bis das Ganze komplett fertig gestellt wird, gibt es dazwischen noch zwei Anproben mit Abänderungen. Preislich startet so ein BH je nach Aufwand ab 200 Euro. Für eine der Kundinnen, die weiter weg wohnte, lief die Maßabnahme per Email mit einer Anleitung, das glücklicherweise sehr gut und reibungslos ablief. Da gab es auch keine Zwischenanprobe, da der BH ziemlich funktionell gefertigt wurde. In der Zeit hatte ich täglich Anfragen für einen Onlineshop. dies war auch immer ein Wunschtraum von mir, weil ich wusste, dass man damit mehr Kunden erreicht und auch mehr Einnahmen hat als mit Maßarbeit. Aber so schnell ließ sich leider keine Produktionsstätte für eine Zusammenarbeit finden, die in limitierter Auflage produziert und meinen Ansprüchen genügt. Letzten Sommer habe ich einen Betrieb gefunden,  der alle Anforderungen erfüllte. Dort wurde meine Kollektion mit mir zusammen für den Onlineshop sehr exklusiv von einem kleinen Team, darunter zwei Schneider, gefertigt. Diese Produkte sind ökotex geprüft und qualitativ hochwertig. Da die Modelle hier nicht auf den Leib geschneidert sind, kann man sie um einige hundert Euro günstiger erwerben, als es bei einer Maßarbeit der Fall wäre. Da ich meinen ersten Wunsch, einen Onlineshop zu eröffnen endlich erfüllt habe, ist mein nächstes Ziel zunächst meine Kollektionsteile in ausgewählten Geschäften zu platzieren (die Planungen dazu laufen momentan) und wenn es soweit ist, auch in Zukunft ein eigenes Geschäft zu eröffnen.

Wo kann man deine Designs kaufen?

In meinem Online Shop auf meiner Homepage unter www.sinsensuality.de kann man aus der aktuellen Kollektion bestellen. Es sind sechs ausgewählte Kollektionsteile in limitierter Auflage. Eine  neue Kollektion,  in limitierter Auflage, ist in Bearbeitung und wird im Laufe des Jahres käuflich zu erwerben geben. Wer gerne up to date sein möchte,  kann gerne unter Facebook auf meiner Fanseite SinSensuality-Lingerie alles mitverfolgen. Mein Ziel ist es, dass es mein Label auch bald in schönen Boutiquen zu kaufen gibt. Und irgendwann würde ich gerne eine eigene Lingerie-Boutique eröffnen und führen.

Bildhinweis:

Fotograf: Ronan Budec, Models: Gintare & Cristiana, Styling: Natalie Hellmann, Make-Up: Dana Höhne, Haare: Jamie Da Luz, Post Production: Anzhelika Zandt, Assistant: Anika Lauer

Lea Becker

The author Lea Becker

Die Journalistin aus dem Rheinland hat ihr Hobby – das Schreiben -und ihre Leidenschaft – Mode und Beauty – zum Beruf gemacht. Lea ist seit vielen Jahren Redakteurin bei einem Fachmagazin der Bodywearbranche und kennt sich in Sachen „Drunter“ bestens aus. Welche Boutique verkauft Erotisches? Wo gibt es handgemachte BHs? Welche Marken fertigen mit Bio-Baumwolle? Und was ist ein Abstandsgewirk? Lea kennt die Antwort und will sie mit ihren Leserinnen teilen. Bei Dessous Diary koordiniert sie ihre engagiertes und manchmal vor Energie überschäumendes Autorenteam und schreibt Artikel zu Servicethemen und interviewt interessante Leute, von denen Sie glaubt, das sie das Leben von Frauen ein bisschen besser machen. Speckröllchen und Cellulite nimmt sie dabei gerne mal den Schrecken. Zur Homepage von Lea Becker

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