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Die Stuttgarter Designerin Miriam Herzog lernte ich auf der Berliner Dessousmesse Boudoir im Sommer 2010 kennen, als ich am heißen Vormittag mit tausend Tüten bepackt an ihrem Stand landete. Miriam war damals hochschwanger und hatte gerade ihr Wäschelabel Rispetto gegründet. Während sie mit dem Kreislauf kämpfte und ich meine Schnappatmung wieder in den Griff bekommen wollte, entdeckte ich wundervolle Spitzenkreationen und fand in Miriam eine tolle Gesprächsparternin. Weil mir ihre hauchzarte, feine Lingerie auf Anhieb positiv auffliel und ich mich nach einem locker, luftigen Sommerteilchen sehnte, habe ich  – was ich sonst fast nie tue – direkt ein Modell auf der Messe für mich selbst gekauft. Seit dem informiert mich Miriam regelmäßig über News von Rispetto! Klar, dass ich irgendwann so neugierig war, dass ich einen Blick hinter die Kulissen in Stuttgart werfen und mit Miriam eine Runde quatschen wollte…


Miriam, warum hattest Du nach einer sicheren Festanstellung Lust, Dich mit einem Lingerielabel in die Selbstständigkeit zu stürzen?

“Ich habe viele Jahre gerne für andere Firmen designt und kreiert. Aber ich konnte mich dort nicht selbst verwirklichen. Es hat Spaß gemacht, war jedoch immer an einen festen „Stil des Hauses“ und an Trends gebunden. Meinen persönlichen Geschmack hat es meist nicht getroffen. Darum habe ich während meiner Schwangerschaft darüber nachgedacht, etwas ganz Eigenes zu machen. Mit einem Kind beginnt ein ganz neuer Lebensabschnitt und ich wollte mir künftig meine Zeit selbst einteilen. Es kam eins zum anderen und dann ging es los.”

Du sagst, Du möchtest mit Rispetto deinen persönlichen Stil verwirklichen. Wie sieht der aus?

“Er ist vor allem selbstbestimmt. Ich richte mich nicht nach gängigen Trends – wie zum Beispiel dem Boudoir-Look. Boudoir ist vorbei. Und das ist auch gut so. Es ist an der Zeit für etwas Neues, dass den Frauen von heute entgegenkommt. Subtile Erotik, ruhiges Design, klare Formen und wenig Rüschen – das ist Rispetto, das bin ich. Dabei lege ich sehr viel Wert auf Kombinierbarkeit, Tragekomfort und Qualität. Außerdem habe ich nun die Möglichkeit, schneller auf  Tendenzen aus der DOB zu reagieren. Meist dauert es ja ein gutes Jahr, bis ein Trend vom Catwalk auf die Moodboards der Lingerie-Designer kommt. Bei mir geht das viel schneller. Wenn ich mich denn nach Trends richten möchte.”

 Welche Materialien verwendest Du für deine Kreationen?

“Ich verwende sehr viel Spitze. Für den Winter ist es eine etwas erhabenere, griffigere Variante. Im Sommer ist sie leichter. Meine Spitzen stammen von Weber Lace. Sie sind innovativ und modern. Qualitäten wie Jersey, Seide und Kaschmirmischungen sowie Wolle mit Elastan kommen hinzu.”

Wo lässt Du Deine Modelle anfertigen?

“Ich fertige selbst per Hand an! Es ist mir wichtig, selbst zu produzieren. „Made in Germany“ ist für mich immer noch ein Qualitätsgarant. Außerdem ist es mir so möglich, auch flexibel Anfragen zu bearbeiten, und mich noch besser auf die Kundenwünsche einstellen zu können. Wenn die Auftragslage groß ist, helfen mir gelernte Schneiderinnen bei der Produktion. Dadurch, dass ich nur in kleinen Größen von S bis L produziere, kann ich so arbeiten. Würde ich Big-Cup-Lingerie entwerfen oder Massenware, sähe das schon wieder anders aus.”

Rispetto agiert nachhaltig?

“„Nachhaltigkeit“ bedeutet für mich vor allem eins: Qualität! Ein guter Stoff, der perfekt verarbeitet ist, ist Wertarbeit. Und so entstehen bei Rispetto Lieblingsteile, die nicht nur eine Saison „in“ sind und dann in der Kleidersammlung verschwinden. Stil-Diktate sind nicht nachhaltig und darum lasse ich mich auch nicht von ihnen beeinflussen.”

An wen lieferst Du aus?

“Zum Beispiel an den Concept Stores Night Delight in Stuttgart, Lingerie Leptig und Darling Frivole. Ich habe noch keinen allzu großen Kundenkreis, was sich aber hoffentlich bald ändert. Da ich im Januar das erste Mal in Paris auf der Messe war, habe ich viele neue Kontakte knüpfen können. Ich freue mich auf all das, was nun kommt. Der enorme Trendwechsel in der Wäschemode – weg von überladener Erotik hin zu Minimalismus, Wertarbeit und Cocooning – kommt für mich gerade richtig.”

Wie stellst du dir die Frauen vor, die Rispetto tragen?

“Es sind Frauen, die in erster Linie sich selbst gefallen wollen. Sie kaufen sich keine Dessous, um damit vorrangig dem Mann zu gefallen. Das ist doch ein veraltetes Klischee.”

Muss die Wäschebranche neue Wege gehen, um jüngere Frauen anzusprechen?

“Auf jeden Fall! Das fängt beim Design an, geht über den Vertrieb, die Deko und den Verkauf. Wir müssen moderner, offener und kundenorientierter denken und handeln. Um jüngere Frauen anzusprechen, braucht es keine Klischees mehr und auch nicht immer Reizwäsche. Verführung sieht heute anders aus als vor 20 Jahren. Zwar redet jeder immer noch davon, dass „Sex sells“ das einzig Wahre ist, aber es gibt so viele Frauen, die das langweilt oder abstößt. Diese Frauen habe ich im Kopf, wenn ich meine Kollektionen kreiere. Solche Frauentypen wähle ich für meine Shootings aus.”

Du buchst keine professionellen Models?

“Nein, warum? Das klassische Wäschemodel hat eine super Figur, einen fülligen Busen, lange wallende Haare, einen sexy Schmollmund. Es hat keine Schwangerschaftsstreifen, keine Cellulite, keine Muttermale. Es wird ein Idealtyp gezeigt, der doch eigentlich Männer begeistert und bei den Frauen eher Frust und Selbstzweifel auslöst. Das ist nicht Rispetto. Ich finde, „normale“ Mädels von der Straße sind sexy, natürlich, frisch und ein echter Hingucker. Ein Rispetto-Model ist eine Freundin von mir, eine andere habe ich bei einer Shoppingtour einfach angesprochen.”

Was planst du für die Zukunft?

“Ich möchte weiter mit Ulrike Bucher von Night Delight in Stuttgart an unserem Blog „Trouver les bonnes chose“ feilen und ihn mit Inhalten befüllen. Hier stellen wir alles ein, was uns gefällt. Und wir haben positives Feedback darauf. Wir haben neben lokalen und regionalen Inhalten natürlich auch Wäsche im Programm. Und vielleicht werde ich irgendwann eine coole Männerlinie entwerfen. Das könnte mir auch Spaß machen.”

 

 

Infos über Miriam Herzog, Rispetto:

Bevor die Designerin Miriam Herzog im Jahr 2009 ihr Lingerielabel „Rispetto – Verehrung der Geliebten“ gründete, absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Modeschneiderin und Schnittdirektrice bei der Maryan Beachwear Group; studierte dann an der staatlichen Modeschule in Stuttgart „Produktentwicklung Mode“. Schon immer war sie von leichten Stoffen, Spitze und Lingerie fasziniert. Ihr modisches Gespür und Talent – was ihr 2006 den Designaward von Hugo Boss einbrachte – ebneten ihr den Weg zur Produktentwicklerin bei Hugo Boss und Sanetta. Als Miriam Herzog ihr erstes Kind bekommt und in Babypause geht, wird ihr klar: Sie möchte etwas Eigenes machen, sich selbst verwirklichen. Kurzerhand entstand ihr Label Rispetto. Es besticht durch cleanes Design, einen selbstbestimmten Look und jegliches Fehlen von Boudoir-Klischees.

 

Fotos: Nicole Pausin-Menius

Lea Becker

The author Lea Becker

Die Journalistin und PR-Beraterin aus dem Rheinland hat ihr Hobby – das Schreiben - und ihre Leidenschaft – Mode und Beauty – zum Beruf gemacht. Lea ist seit über zehn Jahren freiberufliche Redakteurin u.a. auch bei einem Wäsche-Fachmagazin und kennt sich in Sachen „Drunter“ super gut aus. Welche Boutique verkauft Erotisches? Wo gibt es handgemachte BHs? Welche Marken fertigen mit Bio-Baumwolle? Und was ist ein Abstandsgewirk? Unsere Chefredakteurin kennt die Antwort und möchte sie mit Euch teilen. Bei Dessous Diary ist die Mädchen für Alles und hat immer ein offenes Email-Postfach für Eure Fragen, Wünsche und Anregungen. Zur Homepage von Lea Becker

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