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Die neue Model-Casting-Sendung auf RTL 2 “Curvy Supermodel” erregt die Gemüter weit über die Sendezeit am Mittwochabend hinaus, denn in der Show werden Plus Size-Mädels gezeigt: Ein Novum im deutschen TV. Unser Autor Stephan hat sich die Sendung angesehen und kommentiert.

„Ich heirate lieber einen Hamburger als einen Mann.“, mit dieser Aussage brachte es Curvy Supermodel-Anwärterin Aurelie in der gestrigen Folge für mich auf den Punkt und brachte mich wirklich herzlich zum Lachen.

Es hat nun auch Deutschland erwischt, der Trend zu weiblichen Rundungen auf den Laufstegen und Covern der großen Modemagazine schwebte zu uns herüber und der Privatsender RTL II nutze die Gunst der Stunde, um daraus ein eigenes Casting-Format ins Leben zu rufen. Gestern lief die zweite Folge und es wird Zeit, sich einmal mit der Jury und den Ladies, die mehr Kurven als der Monaco-Grand Prix haben, auseinander zu setzen.

Die Jury

Bunter könnte die Mischung eigentlich nicht sein und doch hat es mich gewundert, dass der Sender es geschafft hat, eine sehr komplementäre und dennoch fachlich und sowohl menschlich sehr authentische Jury für dieses Format verpflichten konnte. Natürlich ist alles eine Frage des Geldes, doch sorgen die unterschiedlichen Charaktere mit ihrem Fachwissen und eine sehr interessante Stimmung innerhalb der Sendung.

Angelina Kirsch

Sie ist das bekannteste, deutsche Curvy Model, läuft in Mailand und Barcelona, ist das Kampagnengesicht vieler Marken und jettet um die Welt. Manchmal ein wenig zu krass in den Farbtopf gefallen bringt sie aber eine offene, frische und sympathische Art rüber, die es den Mädels leicht macht, auch über ihren Schatten zu springen und die Geister vergangener Mobbing-Attacken hinter sich zu lassen.

Harald Glööckler

Für diesen extravaganten Paradiesvogel ist jede Frau eine Prinzessin und wenn einer es schafft, eine Marke aus etwas zu machen, dann ist es Harald. Sein Auftreten und seine Erscheinung polarisiert, aber egal wie man es nimmt: Der Mann hat es drauf und ist ein absolutes Genie der Selbstvermarktung. Ich war übrigens traurig, als er „Let’s Dance“ verlassen hat.

Motsi Mabuse

Womit wir schon wieder bei „Let’s Dance“ wären, denn jeder kennt ihre Ausstrahlung ihre Lache, für die man in manchen Ländern einen Waffenschein braucht, so ansteckend ist sie. Motsi hat Kurven und Hüfte – obwohl ich mich manchmal frage, wenn sie tanzt, ob sie da wirklich Gelenke drin hat, so wirbelt sie umher. Klar, dass sie als Profi des Tanzsports und Choreographin für den Auftritt und die Präsentation der Damen verantwortlich ist und selbst manchmal dabei an ihre emotionalen und körperlichen Grenzen geht – siehe das Sport-Training mit den Mädels oder das Open Air-Shooting in München.

Ted Linow

Ich kenne den Namen schon seit den 90er Jahren, wo er seine Agentur in Hamburg Pöseldorf gehabt hat. Namen wie Naomi Campbell, Eva Herzigova oder Tatjana Patitz finden sich in seiner Kartei und es gibt wenige bekannte Designer, mit denen er noch nicht zusammen gearbeitet hat. Der Mann kennt die Branche und ist hart, aber fair in der Sendung.

 

Die Mädchen

Was kann man zu den Damen sagen? Ich finde Ted Linow hat es in der ersten Folge gleich auf den Punkt gebracht, dass ein kurviges Supermodel nicht wabbelig und schwammig sein darf, denn auch kurvige Frauen können dafür sorgen, dass ihr Körper straff und ihre Haut schön ist. Damit hat er bei mir gepunktet, denn das genau war zu Beginn der Sendung meine Befürchtung, die sich nicht bewahrheitet hat. Die Mädels gehen von extrovertiert, schamhaft, zickig, künstlich bis hin zu sehr sympathisch, aufgeschlossen und frisch. Natürlich wird diese Mischung im Laufe der Sendung für Zündstoff sorgen, was von den Machern natürlich auch so gewollt ist, denn es geht ja auch um Einschaltquoten.

Fazit

Es ist einfach Fakt, dass jedes Modelformat automatisch mit der Großmutter der Casting-Shows dieses Genres verglichen wird. Dem Werbe-Goldesel von Pro7, Germany’s Next Topmodel by Heidi Klum. Auch ich kann mich nicht davon frei machen und werde diesen Vergleich mal wagen.

Aber was sehen wir hier? Endlich mal keine 16-jährigen Mädels, die den ganzen Tag nur an der Sellerie-Stange nuckeln, um dann vor laufenden Kameras zu sagen: „Ich träume schon seit 10 Jahren davon Model zu werden und bin bereit, alles dafür zu tun.“, sondern Frauen, die Pizza lieben, 2 Liter Sprite am Tag trinken, aber auch welche, die sich gesund und bewusst ernähren. Das Leben ist am Fernseher angekommen.

Im Großen und Ganzen wirken die Ideen und Challenges dieses Formates nicht neu, es wird geshootet, es gibt Challenges und nach dem Walk die große Entscheidung, bei der sich die Jury – nicht wie bei Mama Klum – gerne mal in die Haare bekommt. Natürlich darf auf das große Umstyling nicht fehlen, bei dem gezickt, geheult und am Ende frostige Stimmung verbreitet wird, so dass es sich Ted Linow und Angelina Kirsch nicht nehmen lassen, den Damen die hübschen Köpfe zurecht zu rücken müssen und selbst Motsi bei der Entscheidung ihre Wut unter Kontrolle halten muss.

Auch ist die Ausstattung der Sendung nicht mit der von GNTM zu vergleichen, es geht bis jetzt nicht nach New York, Shanghai, Bangkok, Australien oder L.A., sondern es bleibt bodenständig in München. Leider hätte man bei der Ausstattung auch noch ein wenig mehr auf schöne Details, Beleuchtung und vor allem bessere Frisuren (die Brautlooks waren echt schlimm) achten sollen. Oder wir erklärt man sich sonst Haare, die grün wirkten und wo bei einer Teilnehmerin hinten grüne Strähnen drin waren?

Was aber ganz positiv zu bemerken ist, ist der Umgang der Jury mit den Teilnehmerinnen. Hier wirkt nichts aufgesetzt und gestellt, wie in anderen Formaten, sondern dem Zuschauer wird eine Nähe vermitteln, ein Miteinander und das macht die kleinen Details dann auch wieder weg.

Ich persönlich war überrascht darüber und finde, dass diese Sendung es wirklich schaffen könnte, sofern man daraus keine jährliche Endlosschleife macht.

Credit Titelbild: SugarShape

Tags : CastingshowCurvy Supermodel
Stephan Burghardt

The author Stephan Burghardt

Stephan aus Hamburg führt eine PR-Agentur, die hauptsächlich Kunden aus den Bereichen Mode und Accessoires betreut. Kein Wunder, dass er so ein herzlicher Frauenversteher ist, wenn er sich täglich mit Handtaschen, Strasskettchen, Düften und Haarstyling umgibt. Als der Hahn im Korb bei Dessous Diary weiß er natürlich genau, dass wir Frauen an unseren Partnern oder Lovern gerne etwas Schickes Drunter sehen möchten. In seinen Artikel versucht Stephan diesen Fakt der Männerwelt näherzubringen. Wir bekommen Danke-Emails – noch Fragen?!

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