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Behind The Scenes – Pirelli The Cal 2017 by Peter Lindbergh

Jedes Jahr heiß-ersehnt: Der Kalender des Reifenherstellers Pirelli, der exklusiv nur an die Freunde des Hauses verschickt wird. Was gibt’s 2017 zu sehen? Die schönsten Promi-Ladies  belichtet von Star-Fotograf Peter Lindbergh.Peter Lindbergh, einer der einflussreichsten Fotografen unserer Zeit, zeichnet für den Pirelli Kalender 2017 verantwortlich. Für Peter Lindbergh ist es bereits das dritte Mal, dass er den Kalender kreiert. Darauf ist er zurecht stolz: „Ich bin Herrn Tronchetti dankbar, dass er die Regeln änderte und es mir ermöglichte, in der über 50-jährigen Geschichte des Kalenders der erste Fotograf zu sein, der drei Ausgaben fotografieren durfte. Ich habe diese Gelegenheit genutzt, um die Sensibilität sowie die ursprünglichen Emotionen einiger Frauen zu zeigen, die ich seit vielen Jahren kenne, bewundere und liebe. Um dieses anspruchsvolle Projekt zu realisieren, sind wir für die Aufnahmen nach Berlin, Los Angeles, London und New York geflogen.“

Uma Thurman
Uma Thurman: © From the Backstage of Pirelli Calendar 2017 by Peter Lindbergh – pictures of Alessandro Scotti

Die Fotos von Peter Lindbergh markierten seinerzeit den Beginn der Top-Model-Ära. So fotografierte er 1989 Linda Evangelista, Naomi Campbell, Cindy Crawford, Christy Turlington und Tatjana Patitz gemeinsam für das berühmte Cover der Januar-Ausgabe 1990 der britischen Vogue. Fünf Jahre später übertrugen die Verantwortlichen bei Pirelli Peter Lindbergh erstmals die Verantwortung für die Ausgabe des Kalenders von 1996. Der Starfotograf überraschte mit klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, auf denen er unter anderen Carré Otis, Eva Herzigova, Nastassja Kinski oder Tatjana Patitz potraitierte. Für die Edition 2002 des Kalenders wählte der Fotograf dann den Titel Peter Lindbergh’s Hollywood. Die in den Paramount Studios gemachten Aufnahmen zeigen Frauen am Set, darunter die berühmten Enkelinnen Lauren Bush und Kiera Chaplin. Man darf gespannt sein, wie Peter Lindbergh 14 Jahre später die Aufnahmen für den Pirelli Kalender 2017 inszeniert hat.

Kate Winslet
Kate Winslet: © From the Backstage of Pirelli Calendar 2017 by Peter Lindbergh – pictures of Alessandro Scotti.

Für die Produktion gewann er eine Gruppe von Frauen, die sich durch ihre starke Persönlichkeit,
ihre Ausstrahlung und ihr Talent auszeichnen. Dazu gehören Kate Winslet, Julianne Moore, Uma Thurman, Nicole Kidman, Penelope Cruz, Charlotte Rampling, Alicia Vikander, Anastasia Ignatova, Hellen Mirren, Jessica Chastain, Lupita Nyong’o, Lea Seydoux, Rooney Mara, Zhang Ziyi und Robin Wright.

Wer mehr über die neue Ausgabe von The Cal erfahren will, dem sei der regelmäßige Besuch der neuen Website www.pirellicalendar.com empfohlen. Dort sind weitere Einblicke in die  Schaffensphasen des aktuellen Werks zu finden. Dazu gehören ein Interview mit dem deutschen Fotografen, Aufnahmen von den Schauplätzen des neuen Kalenders sowie ein Video über dessen Entstehungsgeschichte und die Arbeit an den Sets. Die Inhalte dieser Rubrik werden in den kommenden Wochen und Monaten kontinuierlich erweitert. Darüber hinaus können sich die Besucher der Website anhand von Filmen, Fotografien sowie exklusiver Interviews in die legendäre Geschichte des Pirelli Kalenders vertiefen.

Die 43 bislang veröffentlichten Ausgaben des Kalenders sind in der Rubrik Time Machine komplett einsehbar. Hier erlebt der Betrachter eine virtuelle Zeitreise durch die Entwicklung ästhetischer Kriterien. Die Rubrik Icons (Ikonen) enthält Gespräche mit illustren Vertretern von Kunst, Kultur, Unterhaltung, Mode, Sport und Musik. Für Fans des Pirelli Kalenders ist diese Site ein Muss.

Robin Wright
Robin Wright: © From the Backstage of Pirelli Calendar 2017 by Peter Lindbergh – pictures of Alessandro Scotti.

Peter Lindbergh: Der Start mit der Kamera

Er ist berühmt für seine wegweisenden Fotografien, deren erzählender Stil von frühen deutschen Filmen und der Berliner Kunstszene der 1920er Jahre inspiriert ist: Peter Lindbergh zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Fotografen. Jetzt zeichnet er zum dritten Mal für eine Ausgabe des legendären Pirelli Kalender verantwortlich. Nach 1996 und 2002 produzierte der deutsche Starfotograf im Mai und Juni 2016 die Aufnahmen für den Pirelli Kalender 2017. 1944 in Lissa geboren, verbrachte Peter Lindbergh seine Kindheit in Duisburg. Nach Abschluss der Volksschule arbeitete er dort als Schaufensterdekorateur für Kaufhäuser. Anfang der 1960er Jahre schrieb er sich in Berlin an der Akademie der Künste ein. Peter Lindbergh über diese Zeit: “Ich zog es vor, mich von meinem Idol Van Gogh inspirieren zu lassen, statt die vorgeschriebenen Porträts und Landschaften zu malen, wie es damals in den Kunstschulen üblich war.” Angeregt von den Werken des holländischen Malers zog er für fast ein Jahr nach Arles. Anschließend brach er zu einer zweijährigen Reise durch Spanien und Marokko auf, wo er per Anhalter unterwegs war. Wieder nach Deutschland zurückgekehrt, begann er an der Kunsthochschule in Krefeld das Studium der freien Malerei. Der US-amerikanische Konzeptkünstler Joseph Kosuth beeinflusste ihn stark. 1969, noch während seines Studiums, wurden in der renommierten Galerie Denise René/Hans Mayer in Düsseldorf erstmals Werke von Peter Lindbergh ausgestellt.

1971 zog er nach Düsseldorf und wandte sich der Fotografie zu. Zwei Jahre arbeitete er als Assistent für den Düsseldorfer Fotografen Hans Lux, bevor er 1973 sein eigenes Studio eröffnete und sich als Werbefotograf selbstständig machte. Im Jahr 1978 gelang Peter Lindbergh mit Bildveröffentlichungen im Stern der Durchbruch. Wie zuvor Helmut Newton, Guy Bourdin und Hans Feurer zeigte Peter Lindbergh in dem Magazin eine Serie von Modeaufnahmen, die ihn populär machten. Noch im selben Jahr zog er nach Paris und begann seine internationale Karriere. Bald veröffentlichten alle wichtigen Modemagazine der Welt seine Arbeiten. Peter Lindbergh gilt als ein Pionier der Fotografie. In seinen oft in schwarz-weiß gemachten Aufnahmen entwickelte er eine neue Form des Realismus. Mit seinen zeitlosen Bildern definierte er die Normen für Schönheit neu. Sein humanistischer Ansatz und die Idealisierung der Frauen unterscheiden ihn von anderen Fotografen. Peter Lindbergh will die Seele und die Persönlichkeit der fotografierten Personen zeigen. In Zeiten exzessiven Retuschierens änderte er die Standards der Modefotografie grundlegend. Denn er ist überzeugt, dass jede Person, unabhängig von ihrem Alter, etwas hat, das sie interessant macht: “Zur Verantwortung eines Fotografen gehört es heute, Frauen, beziehungsweise alle Menschen, vom Terror der Jugend und der Perfektion zu befreien.” Daher präsentiert Peter Lindbergh seine Modelle in ihrem natürlichen Zustand, “in aller Ehrlichkeit”, wie er sagt. Er vermeidet Stereotypen und bevorzugt Gesichter,
die kaum Make-up tragen. Denn in seinen Fotografien will er die Authentizität und die
natürliche Schönheit der abgebildeten Frauen zeigen.

Nicole Kidman
Nicole Kidman: © From the Backstage of Pirelli Calendar 2017 by Peter Lindbergh – pictures of Alessandro Scotti.

Jenseits der 1980er Jahre bot der Fotograf einen neuen Blick auf die Frauen, wobei er der Kleidung
wenig Bedeutung beimaß. “Lass´ die Mode und das Künstliche beiseite, und du sieht die wahre Person.” Die britische Journalistin Suzy Menkes erläutert: “Das Markenzeichen von Peter Lindbergh ist, sich nicht der Hochglanz-Perfektion zu beugen. Das Wesen seiner Bilder besteht darin, der abgebildeten Person in deren ungeschminkten Seele zu blicken. Egal, wie berühmt sie auch sein mag.” Wichtige ästhetische Einflüsse für Peter Lindbergh sind der expressionistische deutsche Film und der deutsche Ausdruckstanz der 1920er-Jahre. Seine frühen Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind zudem inspiriert von seiner Kindheit im Ruhrgebiet in den 1950er Jahren am Rhein, gegenüber den Krupp-Stahlwerken der Industriestadt Duisburg. Lindbergh war der erste Fotograf, der ein erzählendes Element in die Modeaufnahmen integrierte. Seine Art des Geschichtenerzählens kreierte eine neue Vision der Kunst- und Modefotografie. Über die Jahre gelangen ihm Aufnahmen, die zu Meilensteinen der Fotokunst wurden. 1988 erhielt Peter Lindbergh weltweiten Beifall dafür, einer neuen Generation von Models, die er kurz zuvor entdeckt hatte, zu beachtlichen Karrieren zu verhelfen, indem er sie in weißen Shirts abbildete. Ein Jahr später fotografierte er Linda Evangelista, Naomi Campbell, Cindy Crawford, Christy Turlington und Tatjana Patitz, erstmals gemeinsam für das legendäre Cover der Januar-Ausgabe 1990 der britischen Vogue.

Popsänger George Michael inspirierten die Aufnahmen von Peter Lindbergh in der Vogue zum legendären Video seines Songs Freedom ’90. Er markiert den Beginn einer Ära, in der Models zu gefeierten Persönlichkeiten wurden und das Image der modernen Frau neu definiert wurde. Anfang der 1990er Jahre begann Peter Lindbergh mit seinen Fotos Geschichten zu erzählten. Sein ikonisches Marsmännchen-Shooting mit Helena Christensen für die italienische Vogue 1990 stellt den Beginn der erzählenden Modefotografie dar. Seit den späten 1970er Jahren arbeitete Lindbergh für die renommiertesten Mode- und Musikmagazine wie Vogue, The New Yorker, Rolling Stone, Vanity Fair, Harper’s Bazaar US, Wall  Street Journal Magazine, The Face, Visionaire, Interview und W. Arbeiten von Peter Lindbergh gehören zu den Sammlungen vieler Kunstmuseen und werden regelmäßig in weltweit bekannten Museen und Galerien ausgestellt. Dazu gehören das Victoria & Albert Museum in London und das Centre Pompidou in Paris. Im September 2016 ist die Ausstellung A Different History of Fashion in der Rem Koolhaas’ Kunsthal in Rotterdam zu sehen. Weitere Einzelausstellungen gab es im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart (Berlin), im Bunkamura Museum of Art (Tokyo) und im Pushkin Museum of Fine Arts (Moscow). Peter Lindbergh hat auch einige vielbeachtete Filme gemacht. 1991  erschien sein Dokumentarfilm Models – The Film, den er in New York mit Supermodels drehte. Inner Voices (1999), ein 30-minütiger dokumentarischer Film über Ausdrucksformen beim Method Acting, erhielt beim Internationalen Filmfestival in Toronto im Jahr 2000 die Auszeichnung Bester Dokumentarfilm. 2001 führte Peter Lindbergh Regie bei Pina Bausch – Der Fensterputzer, einem experimentellen, halbstündigen Film für Channel 4 über ein Stück seiner Freundin Pina Bausch. Sein letzter Film, Everywhere at Once, den er zusammen mit Holly Fisher drehte und der 2007 im Nebenprogramm in Cannes gezeigt wurde, hatte beim Tribeca Film Festival 2008 in New York Weltpremiere. Der Film mit Jeanne Morea u verknüpft verfilmte Fotografien von Peter Lindbergh – viele davon bis dato unveröffentlicht – mit Ausschnitten aus Tony Richardsons Film Mademoiselle. Peter Lindbergh lebt heute abwechselnd in Paris, Arles und New York.

Tags : KalenderPeter LindberghPirelli
Lea Becker

The author Lea Becker

Die Journalistin aus dem Rheinland hat ihr Hobby – das Schreiben -und ihre Leidenschaft – Mode und Beauty – zum Beruf gemacht. Lea ist seit vielen Jahren Redakteurin bei einem Fachmagazin der Bodywearbranche und kennt sich in Sachen „Drunter“ bestens aus. Welche Boutique verkauft Erotisches? Wo gibt es handgemachte BHs? Welche Marken fertigen mit Bio-Baumwolle? Und was ist ein Abstandsgewirk? Lea kennt die Antwort und will sie mit ihren Leserinnen teilen. Bei Dessous Diary koordiniert sie ihre engagiertes und manchmal vor Energie überschäumendes Autorenteam und schreibt Artikel zu Servicethemen und interviewt interessante Leute, von denen Sie glaubt, das sie das Leben von Frauen ein bisschen besser machen. Speckröllchen und Cellulite nimmt sie dabei gerne mal den Schrecken. Zur Homepage von Lea Becker

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