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#powerfrauen: Plus Size-Model Silvana Denker im Interview

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Foto_NadjaMoutevelidis (6)In unserer Serie #powerfrauen interviewen wir Models, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen und gerade darum wunderschön sind. Heute ist es das bekannte Plus Size-Model Silvana Denker, die mit Klischees und Vorurteilen aufräumt und erstaunlich offen über das Verhältnis zu ihrem Körper spricht. Foto: Nadja Moutevelidis

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Foto: Nadja Moutevelidis

Silvana, wie bist du darauf gekommen, “Plus Size”-Model zu werden?

Ich bin da eigentlich mehr rein gerutscht, als dass ich es geplant hätte. Früher hatte ich immer mal das ein oder andere Fotoshooting als Hobby, damals noch mit Kleidergröße 38. Daran gedacht, professionell zu modeln, habe ich aber nie. In einer Lebenskrise nahm ich dann sehr viel zu, glücklicherweise einige Zeit später auch einen Großteil davon wieder ab, und blieb bei Kleidergröße 42/44 stehen. Anfangs habe ich sehr mit mir und meinem Körper gehadert. Bis mich irgendwann eine Freundin fragte, ob ich sie für einen Modelcontest für große Größen von Ulla Popken fotografieren könnte (ich bin ja auch Fotografin). Ich habe mir das Ganze dann selbst auch einmal angeschaut und wirklich einfach mal aus “Jux und Dollerei”, wie man hier so schön sagt, selbst auch zwei Fotos hingeschickt und hab gar nicht weiter daran gedacht. Einige Wochen später zog ich um, und der Contest war für mich vergessen. Bis mich dann ein paar Monate später jemand eine Email schickte und mir zum Einzug ins Finale des Modelcontests gratulierte. Ich hatte natürlich die Einladung nicht bekommen, da ich umgezogen war. Aber auch da habe ich mir einfach nur gedacht, ich mache mir vier schöne Tage, nehme die Erfahrung mit und erlebe mal etwas neues. Gewonnen habe ich letztendlich zwar nicht, wurde aber kurz darauf von meiner ersten Modelagentur unter Vertrag genommen und nur vier Monate später für meinen ersten Job, ein Katalogshooting in Los Angeles, gebucht. So wurde ich Plus Size-Model.

Und das, obwohl du dich in deinem Körper nicht ganz wohlfühltest …

Ja, ich hatte sehr lange Probleme mit meinem Körper, als ich schlanker war, sogar noch mehr. Immer fand ich mich zu dick, da ich schon immer eine eher sportlichere, muskulösere Figur hatte, kräftige Oberschenkel und Arme. Natürlich ging es mir auch nach der Gewichtszunahme nicht sehr gut und ich habe mich regelrecht daheim versteckt, weil ich nicht wollte, dass mich jemand sieht, der mich noch aus “dünnen Zeiten” kannte. Erst mit dem Modeln habe ich nach und nach gelernt, mich so zu akzeptieren und zu lieben, wie ich bin. Ich habe meine gesamte Sicht- und Denkweise geändert. In den letzten Jahren habe ich außerdem so viele wundervolle Menschen kennenlernen dürfen, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, aber so bildschön sind und eine Ausstrahlung besitzen, von der viele träumen.

Was magst du besonders an dir?

Ich sag immer, meine Eltern haben mein Gesicht ganz gut hinbekommen ;) Auch finde ich schön, dass ich mit 1,77 recht groß geraten bin :).

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Foto: Nadja Moutevelidis

Momentan ist die Diskussion um “zu dünn und zu dick” wieder voll im Gange. Zu dürre Models sind in Frankreich nun auf dem Catwalk verboten. Wie ist deine Meinung dazu?

Ich persönlich mag schlanke Frauen genauso wie kurvige oder mollige, ich sag immer, es gibt nicht den einen perfekten Körper, was ich auch mit meinem Kalenderprojekt, das ich im letzten Jahr ins Leben gerufen habe, zeigen möchte. Bedenken habe ich allerdings, wenn es wirklich gesundheitliche Probleme mit sich bringt, keiner sollte seine Gesundheit für seinen Beruf aufs Spiel setzen. Wir haben schließlich nur den einen Körper…

Wurdest du auch schon mal wegen deiner Rundungen kritisiert oder gar angefeindet?

Im realen Leben tatsächlich noch nie, da eher im Gegenteil. Allerdings gab es online doch schon den ein oder anderen richtig miesen Kommentar, wenn irgendwo Interviews oder TV-Reportagen von mir veröffentlicht wurden, in denen ich mein Gewicht genannt hatte. Da wurde teilweise richtig unter die Gürtellinie geschossen und persönlich beleidigt.

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Foto: Uwe Hof

Wie gehst du damit um?

Anfangs ist mir das sehr nahe gegangen, ich habe versucht, mich zu rechtfertigen. Damit habe ich aber ganz schnell wieder aufgehört und bin einfach dazu übergegangen, sowas überhaupt nicht mehr zu lesen. Ich habe da auch eine wirklich gute Modelagentur, die hinter mir steht und mir da auch diesen Rat gegeben hat. Es wird immer Leute geben, die etwas zu meckern haben. Den einen bin ich zu dick, anderen bin ich tatsächlich noch zu dünn – so ist das eben.

Viele Frauen fühlen sich zu dick – ab wann ist man denn faktisch zu dick und wann ist man einfach nur “gut gebaut”?

Ich glaube, das kann man so pauschal gar nicht sagen, weil jeder einen anderen Körperbau hat. Mir würde es z. B. gar nicht stehen, sher schlank zu sein, weil ich allgemein eher stämmiger gebaut bin, andere sind eher elfenhaft schmal, vermutlich würden da 5kg mehr schon sehr auffallen. Letztendlich muss man sich in seiner Haut wohl fühlen, ich glaube, das muss man auch nicht immer nur am Gewicht fest machen.

Einige Firmen setzen neuerdings bewusst fülligere Models für ihre Webung ein. Manche wählen auch Frauen mit Dehnungsstreifen und Cellulite – findest du das klasse oder nervt es dich, dass angebliche “Makel” jetzt so für das Marketing benutzt werden?

Ist es nicht traurig, das als Makel zu bezeichnen? Es ist doch etwas völlig normales, auch mal Dehnungsstreifen zu haben, die ein oder andere Delle, ein Röllchen. Es ist doch nichts Schlimmes daran und das zu zeigen, ist toll. Vielleicht sollten wir so langsam mal von der Denkweise weg kommen, dass man weniger wert ist, wenn man eben solche „Makel“ hat und ich glaube, dafür ist diese Werbung genau richtig.

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Foto: Nadja Moutevelidis

Was wäre eigentlich, wenn du spontan beschließen würdest, stark abzunehmen? Wäre dann deine Karriere vorbei oder wärst du dann “””normales””” Model?

Ich wüsste nicht, warum ich das tun sollte. Ich habe ein normales Gewicht, ich lebe davon, dass ich so aussehe, wie ich aussehe. Warum sollte ich dann also abnehmen? Und ich glaube auch nicht, dass ich als „normales“ Model arbeiten könnte, da ich, wie oben erwähnt, einfach zu kräftig gebaut bin. Und mit 30 hat man da wohl auch keine großen Chancen mehr ;)

Wie wird man Plus Size-Model? Hast du Tipps für Interessierte?

Mittlerweile gibt es in Deutschland ja einige gute Agenturen, die sich entweder komplett auf Plus Size spezialisiert haben oder zumindest auch Plus Size Models führen. Wenn man die nötigen Voraussetzungen mitbringt, und dazu gehört nicht nur ein hübsches Gesicht, sondern eben auch die richtige Körpergröße, gute Proportionen, reine Haut, ein gutes Körpergefühl, Disziplin, etc, dann kann man sich ganz einfach bei den Agenturen bewerben. Oft reichen dazu auch selbst geschossene Fotos und es müssen keine professionellen Aufnahmen sein. Die Agenturen sehen schon, wer Potenzial mitbringt.

Hast du Vorbilder in der Branche?

Mein absolute Vorbild ist die wunderbare Laura Wells, ich hatte auch schon das Glück, sie persönlich kennenlernen zu dürfen und vielleicht klappt es bald, sie auch selbst mal vor der Kamera zu haben.

Wo kauft du am liebsten deine Klamotten?

Ich habe ja noch eine Größe, mit der ich in gängigen Stores noch Klamotten bekomme, Basics kaufe ich meist bei H&M oder C&A, aber ich habe natürlich auch tolle, ausgefallene Outfits von meinen Lieblings-Plus-Size-Labels Carmakoma und Doris Megger (in der Boutique in Düsseldorf gibt es einen Schnäppchenraum, an dem komme ich nie vorbei, wenn ich da bin ;))

 Foto_NadjaMoutevelidis (1)Foto: Nadja Moutevelidis

Und wo schaust du nach Wäsche?

Ich liebe Hunkemöller und Triumph, wenn ich zum Shoppen raus gehe, online gibt es ganz fantastische Wäsche bei SugarShape. Die BHs sitzen einfach perfekt und die beiden Mädels von SugarShape sind wirklich toll. Sie haben unter anderem auch Wäsche für mein Kalenderprojekt zur Verfügung gestellt.

Wie hälst du dich fit? Ich denke, auch fülligere Models müssen auf ihren Körper achten und sich im Studio und beim Work Out stramm und straff halten, oder?

Entgegen der Annahme, als Plus Size Model könne man den ganzen Tag auf der Couch sitzen und Chips futtern, muss ich mich tatsächlich fit halten. Erstens kann so ein Fotoshooting, das gut und gerne mal 8 Stunden und länger dauert, sehr anstrengend werden und zum anderen muss auch ein kurviger Körper in den Outfits oder der Wäsche gut aussehen. Außerdem gehört für mich Sport seit ich ein Kind war einfach zum Leben dazu. Wenn ich die Zeit dazu habe, bin ich mehrmals die Woche im Fitnessstudio und absolviere mein Krafttraining, bin ich unterwegs, habe ich mein TRX-Gerät dabei, das ich auch im Hotel einfach in die Tür einhängen kann. Bei gutem Wetter fahre ich Rad, bei schlechtem gerne auch mal abends vorm TV auf dem Heimtrainer. Und hin und wieder wird auch mein Boxsack gequält ;)

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Foto: Felicia Mosen

Hast du noch ein paar Ernährungstipps für uns?

Grundsätzlich muss da jeder für sich entscheiden, was das Richtige ist. Ich persönlich esse weniger Kohlenhydrate, vor allem Abends, esse nur Fisch und Geflügel und kein anderes Fleisch. Aber auch ich genieße mal eine Pizza mit Freunden oder im Sommer ein Eis, man sollte das Leben ja auch noch genießen können :)

 

Lea Becker

The author Lea Becker

Die Journalistin aus dem Rheinland hat ihr Hobby – das Schreiben -und ihre Leidenschaft – Mode und Beauty – zum Beruf gemacht. Lea ist seit vielen Jahren Redakteurin bei einem Fachmagazin der Bodywearbranche und kennt sich in Sachen „Drunter“ bestens aus. Welche Boutique verkauft Erotisches? Wo gibt es handgemachte BHs? Welche Marken fertigen mit Bio-Baumwolle? Und was ist ein Abstandsgewirk? Lea kennt die Antwort und will sie mit ihren Leserinnen teilen. Bei Dessous Diary koordiniert sie ihre engagiertes und manchmal vor Energie überschäumendes Autorenteam und schreibt Artikel zu Servicethemen und interviewt interessante Leute, von denen Sie glaubt, das sie das Leben von Frauen ein bisschen besser machen. Speckröllchen und Cellulite nimmt sie dabei gerne mal den Schrecken. Zur Homepage von Lea Becker

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