close
britta-uschkamp-dessous-diary-riviera-style-King-McGraw ftmlondon-72dpi

britta-uschkamp-dessous-diary-riviera-style-King-McGraw ftmlondon-72dpi

Die Urlaubszeit ist fast vorbei und wir träumen den letzten Sonnenstrahlen hinterher. Zum Glück lässt sich in südlichen Ländern noch etwas Wärme tanken! Wer noch ein bisschen im Sommer leben möchte, schaut sich die aktuelle Ausstellung ‘Riviera Style’ an, Britta gibt Euch hier eine kleine Tour zur Geschichte der Bademode:

Photo: La Plage de Calvi, Corse, 1928 (Colour Litho) Broders, Roger (1883-1953) Private Collection Photo © Christie’s Images Bridgeman Images

‘Riviera Style’
Wie selbstverständlich schlüpfen wir in unsere modernen Bikinis aus technischem Material, mit Stretch in alle Richtungen und optionalem Shaping-Effekt. Das war nicht immer so. In 200 Exemplaren wird im Fashion & Textiles Museum ansehlich die gesamte Geschichte der Bademode illustriert, von unpraktischen Badegewändern zu Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur heutigen Strandmode. Die Kuratorin der Ausstellung ist die Design-Historikerin Dr. Christina Boydell. In der folgenden Chronologie habe ich mich an der Museums-Ausstellung orientiert, doch es fliessen natürlich auch persönliche Bemerkungen hinein für einen besseren Kontext. Leider hatte ich nicht genug Zeit mir diese tolle Präsentation bei meinem letzten Besuch in London anzuschauen. Falls Ihr es schafft, viel Spaß dabei!

(Photo: © P&O Heritage Collection)

1900-1920

Die Frauen um 1900 mussten mit kiloschweren Stoffen durchs Meer waten – zu der Zeit wurde noch nicht geschwommen. Der Kontakt mit dem Meereswasser war vor allem zu medizinischen Zwecken interessant. Die Badekleider sahen der modischen Damenbekleidung sehr ähnlich, nur etwas leichtere Stoffe, aus Baumwolle-Jersey oder -Serge.  Hauptsache man zeigte nicht zuviel Haut. Auch Strümpfe und Hüte gehören zum Bade-Outfit. Männer hatten bis dato ihre eigenen Strände und gingen nackt baden. Nun musste auch für sie bedeckende Bekleidung zum Baden her, denn die Strände waren mittlerweile gemischt.

britta-uschkamp-dessous-diary-riviera-style-1890-1920-72dpiRotes Badekleid circa 1890, Navyblaues Badeanzug aus Wolle circa 1920 (Photos: Leicestershire County Council Museum Service)

1920-1940
Die Erfindung von elastischen Fäden als auch von verschiedenen neuen Strick- und Nähtechniken der 30er Jahren ermöglichten eine bessere Paßform als bisher. Nur die Absorbtion von Wasser und der damit verbundene Effekt von Schwere und Ausdehung der Formen musste noch verbessert werden. Zu dieser Zeit geht man auch zum ersten Mal in die Sonne, um seine Haut zu bräunen. Einer Anekdote zufolge wurde diese Mode von Coco Chanel lanciert, als sie sich aus Versehen bei einem Segel-Ausflug an der französischen Riviera einen Sonnenbrand einfing und mit dem heute so beliebten gebräunten Urlaubslook zurück ans Land kam. Im Vergleich zur vorherigen Epoche sind Arme und Schultern bei den Badeanzügen dieser Zeit frei, Männer beginnen den oberen Teil das Anzugs runterzulassen und leiten somit die Geburt der Badehose ein.

britta-uschkamp-dessous-diary-riviera-style-1930-72dpi‘Speed’ Anzug für Männer, 1930 (Photo: Leicestershire County Council Museum Service)

1940-1960
Dior’s ‘New Look’ der Nachkriegszeit entspricht der Sehnsucht nach klassisch weiblichen Formen. Somit betont auch die Bademode viel Sensualität und man sieht klar die Einflüße von Lingerie und Korsett-Techniken. Bademode ist somit fast wie Unterwäsche am Strand und man entdeckt die Form des Bikini. Neue Textil-Entwicklungen, wie stretchfähiges Lastex und schnell trocknendes, leichtes Nylon kündigen die ersten Fortschritte auf dem Weg zur funktionellen Bademode ein. Schönheitswettbewerbe tun ihr übriges dazu, um Badeanzüge salonfähig zu machen.

britta-uschkamp-dessous-diary-riviera-style-1940-195372dpigerüschter Badeanzug, circa 1940, ‘Peter Pan’ Badeanzug, 1953 (Photos: Leicestershire County Council Museum Service)

britta-uschkamp-dessous-diary-riviera-style-Morecambe-Wise-Miss-Großbritannien-1965-72dpiMorecambe und Wise bei der Miss Großbritannien Siegerehrung 1965 (Photo: Leicestershire County Council Museum Service)

1960-1990
War man zu 1900 gut bedeckt und hatte in den 40er und 50er Jahren die Unterstützung von Shapewear und schmeichelnden Schnitten, so wird hier der Körper wichtiger. Sport und gute Ernährung stehen im Mittelpunkt. Der Minirock der ‘Swinging 60ies’ entspricht Rudi Gernreich’s knappbedeckendem, skandalösen ‘Monokini’, welcher die Brüste komplett frei lässt. Weniger Stoff wird auch gepaart mit mehr Farbe und bunten Drucken.

britta-uschkamp-dessous-diary-riviera-style-1969-72dpiBadeanzüge 1969 (Photos: Leicestershire County Council Museum Service)

Revolutionär ist in diesem Zusammenhang auch die erste offizielle Teilnahme einer Frau am Marathon 1967 (Boston). Die Amerikanerin Kathrine Switzer lief damals natürlich nicht in dem heute üblichen knappen Lauf-Outfit wie eine Paula Radcliffe sie trägt.

Katherine Switzer, Boston Marathon, 1967 (Photos: AP Images)

1990++

Jetzt wird es richtig interessant – aus sportlicher Hinsicht zumindest! Textilien werden technischer und effektiver. Soweit, dass der ‘LZR Racer’ von Speedo, ein aus Teflon-überzogenem Lycra-Stoff gefertigter Schwimmanzug, nach den Olympischen Spielen 2008 in Bejing bei Wettkämpfen verboten wird. Der Anzug machte den Körper zu dynamisch im Kampf gegen den Wasser-Widerstand und es wurden mit ihm anscheinend zuviele Rekorde gebrochen. Ein Badeanzug als Doping-Mittel – das Equivalent hätte ich gerne fürs Laufen! 2012 entwirft Stella McCartney in Kollaboration mit Adidas den offiziellen Badeanzug für das Team von Großbritannien, aus recycletem Nylon und Spandex. Der gefällt mir. Bei dem aktuellen Angebot von Adidas habe ich diesen Sommer nämlich nichts besonders zum Schwimmen entdeckt, bei Speedo übrigens auch nicht. . .

britta-uschkamp-dessous-diary-riviera-style-Adidas-Stella-McCartney-speedo-LZR-Racer-72dpiStella McCartny & Adidas für Großbritanien-Team, Olympiade London 2012, Speedo LZR Racer Suit, Bejing Olympiade 2008 (Photo: Leicestershire County Council Museum Service)

Als Gegenentwurf zum sexy ‘zweite Haut’ Look gibt es in ‘Riviera Style’ auch einen Burkini zu sehen. Das bringt mich auf Gedanken zu moslemischen Frauen und Sport im Allgemeinen. 2012 haben Saudi-Arabien, Quatar und Brunei zum erstem Mal Frauen zur Olympiade geschickt. Die schweren Trainings-Umstände im Vorfeld als auch die Problematik mit hinderlicher, jeddoch kulturgemäßer Bekleidung beim Wettkampf anzutreten bezeugten Stärke und Optimismus, doch leider auch Ungerechtigkeit. Hier ein interessanter Artikel dazu. Nach obiger Zeitrechung (vom Badekleid bis zu Performance-Anzügen) dauert es also noch 100 Jahre bis sich das ändern kann?

In diesem Zusammenhang bin ich auf Arte auf einen sehr berührenden Animations-Kurzfilm gestossen: ‘Beach Flags’ (2014) von der iranischischen Filmemacherin Sarah Saidan.

britta-uschkamp-dessous-diary-riviera-style-Sarah-Saidan-Beach-Flags-1-72dpi britta-uschkamp-dessous-diary-riviera-style-Sarah-Saidan-Beach-Flags-2-72dpiBeach-Flag’ (Photos: © Sarah Saidan)

London Calling
Die Ausstellung im Fashion & Textiles Museum geht noch bis zum 13. September, mehr Info gibt es hier.

Tags : adidasbadekleidBademodebadenbeachBeachwearBikinibostonboydellcalvichanelcocodopingFashionkathrinelastexleicestershireLondonlzrMarathonmccarnteymeerMonokinimorecambemuseumNylonracerresortwearrivierasaidansarahspandexspeedostellaStrandStrandmodeStyleSwimwearswitzerteflontextileswasserwise
Britta Uschkamp

The author Britta Uschkamp

Wer Britta erreichen will, muss sich schon mal etwas gedulden, denn es kann gut sein, dass die Wahl-Pariserin gerade mal wieder Marathon läuft. Dass ist für die Lingerie-Designerin Hobby und Arbeit in einem – denn sie testet dabei schließlich die neuen Sport-BHs, um Euch davon zu berichten. Und wenn Britta nicht gerade mit ihrem adidas Team in Montmartre durch Paris läuft oder wunderbare Dessous kreiert, designt sie Webseiten oder postet für ihre Instagram Kunden (Oui, auch für uns!). Sie liebt es, um die Welt zu laufen/reisen, steht auf gesundes Essen und schaut liebend gerne US TV-Serien. Zur Hompage von Britta

Leave a Response