close
_MC_8800

Lasst Euch von uns in eine sinnliche Welt entführen: Heute nimmt Euch Autorin Mona Lisa mit auf ein besonderes Blind Date…„Wir haben exakt eine Stunde Zeit, dann wird der Kellner uns bitten, das Restaurant wieder zu verlassen.“ Seine Stimme war schon mal recht angenehm, tief und ziemlich sympathisch. Sie hörte, wie ein Stuhl gerückt wurde, gleichzeitig nahm sie einen neuen Duft wahr, der ihr vorher nicht aufgefallen war: herb, zugleich ein wenig süßlich, männlich markant irgendwie. Ansonsten war es komplett dunkel, um nicht zu sagen stockduster, einfach rabenschwarz.

„Schön, dass Sie gekommen sind.“

„Ja,“ sagte sie verlegen und war froh, dass in diesem Moment ein Kellner wie aus dem Nichts auftauchte und Gläser auf den Tisch zu stellen schien.

„Ich habe mir erlaubt, zwei Martinis als Aperitiv für uns zu bestellen. Das Essen habe ich auch bereits gewählt, dazu einen leichten Rosé. Ich hoffe, das ist in Ihrem Sinne?“

„Bestimmt.“

Vorsichtig tastete sie über das Tischtuch, bis ihre Finger das Glas berührten und anhoben.

Ihr Tischpartner schien seines bereits gefunden zu haben: „Cheers, auf einen unvergesslichen Abend!“ sagte er.

„Cheers! Tja, das mit dem Anstoßen lassen wir wohl lieber.“ Sie kicherte.

„Warum sind Sie hergekommen?“ fragte ihr Gegenüber.

„Aus dem gleichen Grund, wie Sie vermutlich auch.“ antwortete sie. „Die Lust auf etwas Unbekanntes, auf ein Abenteuer, etwas, was ich so noch nicht erlebt habe.“

„Da habe ich mit meiner Anzeige bei Ihnen wohl genau ins Schwarze getroffen?“

Sie musste lachen. „Exakt, deswegen sitzen wir ja hier und können die Hand nicht vor Augen sehen.“

Mit seiner Anzeige hatte er tatsächlich ihren Nerv getroffen. „It’s only words that undress you…“ war die Überschrift der Anzeige, die sie in der Rubrik „Bekanntschaften“ in ihrer Stadtzeitung entdeckt und die sie neugierig gemacht hatte. Im weiteren Text ging es um die Macht der Worte und das Spiel der Verführung plus Aufforderung zum Kennenlerntreffen in einem Dunkelrestaurant. Darauf hatte sie geantwortet und deshalb war sie nun hier. Eigentlich war sie nicht der Anzeigentyp, aber nachdem sie sich von Mike getrennt hatte – und das bereits vor über einem Jahr – war die Anzahl ihrer männlichen Bekanntschaften überschaubar und die Qualität ebenso. Also hatte sie nun diesen Ansatz gewählt und war zu gleichen Teilen ängstlich, aufgeregt und neugierig.

„Aber vermutlich ist das für Sie gar nicht das erste Mal, oder? Für Sie ist das gar nichts Unbekanntes? Sie haben Erfahrung, nicht wahr? Schalten Sie diese Anzeige regelmäßig?“

„Das tut jetzt hier nichts zur Sache, oder?“ antwortete er freundlich, aber bestimmt, „was zählt, ist das wir beide jetzt hier sitzen, oder?“

Bevor sie antworten konnte, wurde sie von dem Kellner unterbrochen, der das Essen servierte. „Bitteschön, der Herr, die Dame, Messer und Gabel liegen rechts und links vom Teller. Ihr Weinglas steht auf zwei Uhr. Ich wünsche Ihnen guten Appetit.“

„Dankeschön“, sagten beide nahezu gleichzeitig.

Der Kellner entfernte sich.

„Sollen wir uns nicht duzen. Ich heiße Sascha.“

„Gern, Maria.“

„Also guten Appetit, Maria. Würdest du dich bitte ein wenig beschreiben? Damit ich mir ein Bild von dir machen kann.“

„OK, also, ich bin 1,71 groß, schlank, habe blondes, mittellanges Haar, meist zu einem Pferdeschwanz gebunden,“ hörte sie sich wahrheitsgemäß sagen.

„Ich trage ein leichtes Sommerkleid und….“

„Pssst.“ Er unterbrach sie. „Lass mich weitermachen. Du trägst also ein leichtes Sommerkleid, aus dünnem Stoff, das deine Figur umspielt. Darunter wahrscheinlich einen BH, der deine Brüste, nicht zu groß und nicht zu klein, wirkungsvoll in Szene setzt und auch einen Slip, den du heute noch nicht weglassen wolltest, konntest. BH und Slip sind vermutlich aus weisser oder pastellfarbener Spitze, es ist ja Sommer. Du sehr gepflegt, denn du hörst dich an wie eine Frau, die Wert auf ihr Äußeres legt. Deine Finger- und Fußnägel sind sorgfältig lackiert und du weißt, wie du mit Make-Up deine Vorzüge betonst. Offenbar, aber dezent. Stimmt’s?“

Sie nickte, geschmeichelt, denn seine Beschreibung, zwar nicht ganz zutreffend, gab ihr einen Kick, löste etwas in ihr aus, machte einer Seite Platz, die sonst eher weniger zum Vorschein kam.

„Dein Schweigen werte ich als Zustimmung. Ich glaube, du bist der Typ attraktive, gleichwohl sympathische Frau mit einem verruchten Kern. Ein nicht auf den ersten Blick erkennbares böses Mädchen?“

„Mit einer Schwäche für gutgebaute Männer“, antwortete sie.

„Oh, ich sehe, du steigst in das Spiel ein. Das gefällt mir.“

In der nächsten Stunde ging sie ganz in ihrer Rolle als femme fatale auf. Sie war wortgewandte, sinnliche Verführerin. Ohne Verantwortung und ohne Scham. Auch ihr Körper registrierte die Veränderung, Lust durchflutete sie, sie fühlte sich schamlos und aufreizend. Ihre Unterhaltung wurde direkter, frivoler und ging weit über einen harmlosen Flirt hinaus. Es bereitete ihr großen Gefallen und entfachte eine wahnsinnige Lust, von ihm verbal umgarnt zu werden und mit lasziven Antworten das Gespräch voranzutreiben.

Er hatte sie gerade danach gefragt, ob sie lieber fest angefasst oder zärtlich berührt werden wolle, als sie von einem Räuspern unterbrochen wurden. Es war der Kellner, der sie darauf aufmerksam machte, dass es Zeit war, den Platz zu verlassen.

„Schade“, dachte sie. Sie hörte, wie er aufstand und hinter sie trat, ihr die Hände fest auf die Schultern legte.

„Wirklich schade“, flüsterte er ihr ins Ohr „wollen wir uns wieder…. äh … sehen? Diesmal wirklich?“

„Gern. Ich …äh…“

„Ich melde mich.“ Seine Lippen berührten leicht ihre Stirn, er roch wirklich unwiderstehlich gut. Sie hörte, wie der Kellner ihn hinaus begleitete, und wenig später zurückkehrte, um auch ihr den Weg zum Ausgang zu zeigen. Draußen blickte sie sich suchend um. Weit und breit war niemand zu sehen. „Schade“, murmelte sie „oder vielleicht auch nicht.“ Bis zu einem Wiedersehen konnte sie sich ihrer Vorstellung hingeben. Der Vorstellung, die sie sich von ihm und vor allem von sich als verruchter Verführerin gemacht hatte und die ihr aufregend gut gefiel.

Tags : ErotikKurzgeschichteLiteraturSinnliches
Mona Lisa

The author Mona Lisa

Leave a Response