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Voll daneben im Schwitzkasten: Wie der Saunagang nicht zum peinlichen Auftritt wird

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POSQ_MistyChecks_26961Voll daneben im Schwitzkasten, wie der Saunagang nicht zum peinlichen Auftritt wird.

Gerade in der kalten Jahreszeit ist ein entspannter Saunagang nach dem Sport nicht nur gut, um wieder herunter zu fahren, sondern fördert gleichzeitig auch das Wohlbefinden. Die Durchblutung wird angeregt, der Abtransport von Schadstoffen im Körper wird beschleunigt und selbst Atemwegserkrankungen können hier gelindert werden. Die Sauna ist also Wellness von innen und das in entspannter, ruhiger Atmosphäre!

Moment einmal, da müssen wir mal kurz zurückspulen. Ruhig? Tja, liebe Herren, da haben einige von euch wohl noch nie etwas vom Sauna-Knigge gehört, denn was ich immer wieder in der gemischten Sauna unseres Fitnessstudios erlebe ist alles andere als erholsam.

Holen wir doch einmal ein paar Erinnerungen aus der Mottenkiste, um zu verdeutlichen, was Mr. Perfect so alles in der Sauna anstellt.

Die Weltverbesserer
Kommt euch das bekannt vor? Dieser Saunagänger hat zu allem eine Meinung, ist überaus gebildet, was das Weltgeschehen angeht, und macht keinen Hehl daraus, dies allen anderen mitzuteilen. Am besten in der Laustärke einer Technoparade, so dass ihn auch jeder wahrnimmt. Diese Gattung der Saunagänger tritt meist im Zweierpack, gerne auch im Rudel auf und verteilen sich nach dem Betreten der Sauna möglichst effektiv in allen Ecken, damit ihre weltverbessernden Gespräche und tiefschürfenden Lebensweisheiten auch überall Gehör finden. Bei näherem Hinhören – ob man will oder nicht – stellt man aber schnell fest, dass die tollen Sprüche eher aus der Bild Zeitung statt angesehener Fachliteratur kommen und sie es sehr persönlich nehmen, wenn man sie auf ihre Lautstärke anspricht. Schließlich muss die Welt doch erfahren, was mit ihr geschieht und niemand weiß es besser als die Weltverbesserer. Besonders gerne in der Altersgruppe 50+ anzutreffen, Tendenz leider sinkend.

Die Schambehafteten
Am besten sauniert es sich nackt. Das ist ein Fakt, den eigentlich jeder Saunagänger kennt und doch gibt es eben diesen Typus Mann, der Angst davor hat, dass ihm jemand sein besten Stück weggucken würde oder er dem Längenvergleich seiner Geschlechtskumpane nicht standhalten würde. Also zieht er es vor, lieber eine Unterhose, Boxer Shorts oder schlimmsten Falls sogar eine Badehose anzubehalten – auch gerne schon unter der Dusche. Da fragt man sich doch wirklich, ob der Herr auch einmal die Saunaregeln des Hauses gelesen hat. Natürlich gibt es hier auch kulturelle Unterschiede, aber mal ganz im Ernst, nackt ist nackt, ob nun schlanker, sportlicher oder dicker macht in der Sauna nun keinen Unterschied, denn alle wollen das eine: Entspannen und relaxen. Erschreckender Weise wird diese Spezies immer jünger.

Die Schamlosen
Wo das eine, da auch das andere Extrem. Diese Spezie ist das genaue Gegenteil, denn er präsentiert sich stolz wie ein Löwe und aufreizend wie ein Pfau den anderen Saunabesuchern. Mit ausladenden Bewegungen thront er breitbeinig auf der Pritsche, reckt und räkelt sich wie eine Schlange, als würde ihm die Saune ganz alleine gehören. Er ist kein Poser in dem Sinne, aber er denkt nicht darüber nach, ob sein Verhalten den anderen Gegenüber vielleicht peinlich oder als störend empfunden werden kann. Seine Sauna ist sein Reich und hier macht er, was er will. Also nicht wundern, wenn man auf einmal einen Ellenbogen in der Seite hat oder seine Kehrseite beim Aufstehen Bekanntschaft mit ihrem Gesicht machen möchte.

Der Poser
Was der eine eher unbewusst macht, setzt dieser Saunagänger ganz bewusst als Balzritual ein. Er ist der Held, der stählerne Macho, der Coolste von allen und gleichzeitig nicht an Peinlichkeit zu übertreffen. Beim Betreten der Sauna wird jeder hart gestählte Muskel angespannt, das Hinsetzen ist penibel einstudiert, damit auch jede Pore des Körpers von den Anderen wahrgenommen wird. Er ist der Platzhirsch, das non-plus-ultra Alpha-Männchen und pures Testosteron in seiner reinsten Form, der alleine für seine Liege-Performance mehr Platz braucht als alle anderen Gäste zusammen. Dazu kommen ein paar lockere Sprüche über die Wiederholungsrekorde heute beim Bankdrücken und der knackige Hintern der sexy Blondine muss auch noch kurz in Augenschein und mit einem sexistischen Spruch belegt werden. Doch fällt das Handtuch fehlt die Lunte, um die 10.000 Volt im Oberarm zum Glühen zu bringen. Pure Show und wenig dahinter weder im Oberstübchen, noch im Souterrain.

Diese vier auffälligen Typen gibt es in jeder Sauna, man muss nur einmal genauer hinschauen. Ob in Reinform oder mit leichten Variationen sorgen sie für die peinlichen Momente, wo jeder eigentlich nur den Kopf schütteln kann und sich fragt, aus welchem Käfig sie entwichen sind. Aber die gehören dazu, ob wir es wollen oder nicht.

Dabei ist das Miteinander in der Sauna doch so einfach und muss nicht in eine Aneinanderreihung von peinlichen Situationen ausufern, denn wir wollen uns doch alle nur entspannen…

In der Hoffnung, dass ein paar der Spezies Mann die Wendung in die richtige Richtung hinbekommen, habe ich euch dieses Mal ein paar Sauna-Umgangsformen zusammengefasst:

  • Megaphon-Gespräche
    Die Sauna ist ein Ort der Ruhe und Entspannung. Unterhaltungen quer durch den Raum in der Lautstärke eines Güterzuges sind daher nicht nur ungerne gesehen, sondern nicht erlaubt. Leiser Small-Talk, der die anderen Gäste nicht stört ist durchaus erlaubt, sofern die Sauna nicht zu voll ist, denn würden das am Ende alle tun, wäre die Erholung im Eimer. Also, lieber die Zeit des Saunaganges in Ruhe verbringen und sich danach ausgiebig austauschen, das ist doch nicht so schwer.
  • Catwalk
    Ein Gesetz, dass Kleidung in der Sauna verbietet gibt es aktuell nicht, dennoch haben die meisten Betreiber einer Sauna die „keine Kleidung“-Regel in ihren ausgehängten Sauna-Regeln eingesetzt. Einziges Utensil für die Sauna ist und bleibt ein großes Handtuch zum drunter legen oder zum Umwickeln, wenn man nicht ganz nackt sein möchte. Sport- oder Badekleidung wird deswegen ungerne gesehen, weil sich zum einen Bakterien in der Sauna schnell ausbreiten können und der Synthetikgehalt der Kleidung zusätzlich unangenehme Dämpfe ausstoßen kann, deswegen lieber ein Handtuch um, als in Kleidung in die Sauna.
  • Auf die Pelle rücken
    Ob voll oder leer, der Intimbereich der anderen Saunagäste muss respektiert werden. Und wenn die Sauna noch so voll ist, quetscht man sich nicht noch irgendwie dazwischen, sondern wartet ganz geduldig aus den nächsten freien Platz. Eine Armlänge gilt als Faustregeln für den Abstand zum anderen Saunagast. Beim Hinsetzen und Aufstehen sollte man seinem Banknachbarn nicht alles präsentieren, was man hat und das aus nächster Nähe, sondern hier auch geschickt mit dem Handtuch arbeiten. Auch wenn man sich in der Sauna aufgrund der vorgegebenen Nacktheit „näher“ kommt ist das nicht der Freifahrtschein zu tun und lassen, was man will. Die Privat- und Intimsphäre des Anderen muss respektiert werden.

 

  • Verschiedene No Gos:
    – Glotzen und starren gehört nicht in die Sauna
    – Politische Gespräche sind ebenso unangebracht wie Gespräche über Sex oder religiöse Ansichten
    – Streck- und Dehnübungen dürfen nach dem Sport gemacht werden, aber nicht in der Sauna
    – Distanzlosigkeit ist ein Tabu

Mit ein bisschen Rücksicht kann der Saunagang zu einem tollen Erlebnis werden und bei „guter Führung“ kann man dort sogar ab und an einmal nette Leute kennenlernen und sich ganz in Ruhe mit ihnen austauschen. Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit ist die Sauna eine herrliche Erfindung, die man entspannt genießen sollte, ohne, dass ein paar Deppen es einem kaputt machen.  Alles klar?

In diesem Sinne ein entspanntes Schwitzen!

 

(Foto: Bruno Banani)

Tags : KolumneLebenMännerSaunaStil
Stephan Burghardt

The author Stephan Burghardt

Stephan aus Hamburg führt eine PR-Agentur, die hauptsächlich Kunden aus den Bereichen Mode und Accessoires betreut. Kein Wunder, dass er so ein herzlicher Frauenversteher ist, wenn er sich täglich mit Handtaschen, Strasskettchen, Düften und Haarstyling umgibt. Als der Hahn im Korb bei Dessous Diary weiß er natürlich genau, dass wir Frauen an unseren Partnern oder Lovern gerne etwas Schickes Drunter sehen möchten. In seinen Artikel versucht Stephan diesen Fakt der Männerwelt näherzubringen. Wir bekommen Danke-Emails – noch Fragen?!

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